Nach einem Wasserschaden sind Wände fast immer betroffen. Putz nimmt Wasser auf wie ein Schwamm und gibt es nur langsam wieder ab. Dunkle Ränder, abblätternde Farbe oder Putz, der beim Klopfen hohl klingt, sind typische Folgen. Die gute Nachricht: Nicht jeder nasse Putz muss runter. Entscheidend sind die Art des Putzes, die Dauer der Durchfeuchtung und eine fachgerechte Trocknung.
Welcher Putz ist betroffen?
Die Putzart bestimmt, wie Sie vorgehen:
- Kalkputz und Kalkzementputz: sehr verbreitet, auch im Keller. Sie vertragen Feuchtigkeit vergleichsweise gut und trocknen oft wieder vollständig aus.
- Zementputz: robust und wasserfest, trocknet aber langsamer und lässt Feuchtigkeit schlechter entweichen.
- Gipsputz: häufig in Wohnräumen. Gips verliert bei längerer Durchnässung an Festigkeit, wird weich und muss dann meist erneuert werden.
- Lehmputz: in Altbauten. Er quillt bei Wasser auf, lässt sich aber oft nachbearbeiten.
Wenn Sie nicht wissen, welcher Putz an Ihrer Wand ist, hilft ein Blick an eine beschädigte Stelle oder die Einschätzung durch einen Fachmann.
Retten oder erneuern? So erkennen Sie den Unterschied
Putz kann in der Regel getrocknet und erhalten werden, wenn er
- fest am Mauerwerk haftet und beim Klopfen nicht hohl klingt,
- nach dem Trocknen nicht absandet oder bröselt,
- keinen Schimmelbefall in der Tiefe zeigt,
- nicht mit verunreinigtem Wasser aus dem Kanal in Berührung kam.
Erneuern sollten Sie, wenn der Putz hohl liegt, sich ablöst, weich geworden ist, stark mit Salzen belastet ist oder Schimmel bis in die Tiefe sitzt. In diesem Fall wird er bis über die Feuchtegrenze hinaus abgeschlagen, meist 30 bis 50 Zentimeter oberhalb der sichtbaren Wasserlinie.
So wird nasser Putz richtig getrocknet
- Messen: Zu Beginn die Feuchte an mehreren Stellen und Höhen messen und festhalten. So lässt sich der Fortschritt verfolgen.
- Oberflächen öffnen: Tapeten, dichte Dispersionsfarben, Fliesenspiegel oder Verkleidungen bremsen die Trocknung. Oft lohnt es sich, sie zu entfernen.
- Luft entfeuchten: Bautrockner ziehen Wasser aus der Raumluft, die Wand gibt daraufhin Feuchtigkeit ab. Ventilatoren verstärken den Effekt.
- Gezielte Wärme: Infrarotplatten oder Heizgeräte beschleunigen die Trocknung tiefer liegender Schichten. Dabei nie überhitzen, sonst entstehen Risse.
- Kontrollieren: Regelmäßig nachmessen, bis die Werte im normalen Bereich liegen.
Je nach Wanddicke, Material und Wassermenge dauert das von einer Woche bis zu mehreren Wochen. Massive Ziegel- oder Natursteinwände im Altbau brauchen meist am längsten.
Salzausblühungen: der häufig übersehene Schaden
Beim Trocknen wandern im Wasser gelöste Salze an die Oberfläche. Es bilden sich weiße, kristalline Ausblühungen. Diese lassen sich trocken abbürsten. Wichtig: Nicht mit Wasser abwaschen, sonst lösen sich die Salze wieder und ziehen zurück in die Wand. Bei starker Salzbelastung, wie sie in alten Kellern häufig ist, kommt ein spezieller Sanierputz in Frage.
Typische Fehler beim Trocknen von Putz
- Zu früh streichen oder tapezieren: Die Feuchtigkeit wird eingeschlossen, es entstehen Flecken, Blasen und Schimmel.
- Dichte Farbe verwenden: Latex- oder Dispersionsfarben behindern das Austrocknen. Besser sind mineralische Farben.
- Nur der Oberfläche trauen: Eine Wand kann sich trocken anfühlen und innen noch nass sein.
- Falsch lüften: Warme, feuchte Außenluft bringt im Sommer zusätzliche Feuchtigkeit in kühle Räume.
- Ursache nicht beheben: Wenn weiterhin Wasser nachkommt, ist jede Trocknung vergebens.
Neu verputzen: So geht es nach der Trocknung weiter
Ist die Wand trocken oder der alte Putz entfernt, folgt der Neuaufbau:
- Untergrund reinigen und lose Teile entfernen
- bei Bedarf grundieren oder einen Haftputz auftragen
- passenden Putz wählen: im Keller meist Kalk- oder Sanierputz, im Wohnraum Kalk- oder Gipsputz
- Übergänge zum alten Putz sauber angleichen
- ausreichend Standzeit einhalten, bevor gestrichen wird
Als Faustregel gilt: Pro Millimeter Putzdicke etwa einen Tag Trockenzeit einplanen, bevor Farbe aufgetragen wird. Die Angaben des Herstellers gehen vor.
Wann ein Fachbetrieb sinnvoll ist
- große betroffene Flächen oder mehrere Räume
- Altbau mit dicken, massiven Wänden
- Verdacht auf Schimmel in der Tiefe
- wenn die Versicherung Messprotokolle verlangt
Wie Sie den Schaden gegenüber der Versicherung belegen, steht in Wasserschaden mit der Versicherung klären.
Fazit
Nasser Putz lässt sich oft retten, wenn er fest haftet und gründlich getrocknet wird. Ist er hohl, weich oder stark belastet, wird er erneuert. In beiden Fällen gilt: erst messen, dann streichen. Den gesamten Ablauf eines Wasserschadens finden Sie in Wasserschaden im Haus: Ursachen, Ablauf und Hilfe, und bei feuchten Kellern zusätzlich in Gestank im Keller nach Wasserschaden loswerden.
Sie haben feuchte Wände nach einem Wasserschaden? Sprechen Sie uns an. Wir helfen beim Trocknen, Abschlagen und Neuverputzen in Oranienburg, Oberhavel und Berlin.